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Sao Vicente – Die musikalische Insel der Kapverden

Sao Vicente und Mindelo, die zweitgrößte Stadt der Kapverden, sind das kulturelle Zentrum des Archipels. Die Insel ist geprägt von schroffen vulkanischen Gipfeln, Gebirgszügen und dazwischen liegenden Tälern. Die Küste ist dadurch ein abwechslungsreiches Schauspiel von steilen und flachen Abschnitten. In den Niederungen finden Sie oft lange und einsame Sandstrände, die teilweise auch zum Schwimmen geeignet sind.

Besonders auffällig ist die halbrunde Bucht von Mindelo, die als geschützter Hafen seit der Entdeckung der Insel die Verbindung zur Aussenwelt darstellt. Der auffällige Halbkreis ist auf einen versunkenen und vom Meer überfluteten Vulkankrater zurück zu führen. Der Hafen nimmt eine zentrale Stellung im Handel, Fischfang, für Besuche von Kreuzfahrtschiffen und bei der Atlantiküberquerung ein. Die hier direkt angelandeten Güter sorgen für ein vergleichbar niedriges Preisniveau auf Sao Vicente.

Die Insel Sao Vicente misst ca. 16 x 24 km und ragt mit einer Fläche von etwa 230 km² aus dem Atlantik. Der höchste Berg Monte Verde ragt immerhin 750 m gen Himmel und bietet einen faszinierenden Ausblick auf Mindelo, die Nordwestküste, den Atlantik und die benachbarten Inseln Santo Antao und Santa Luzia. Von den 75.000 Einwohnern der Insel leben etwa 90% in der Stadt Mindelo.

Die Stadt Mindelo ist das Herz der Insel und für uns auch das Herz der Kapverden. Die lebendige Musikerszene der Stadt erleben Sie an vielen Abenden in den Bars und Restaurants der Stadt. Der übrige Teil von Sao Vicente ist eher einsam und das Leben ursprünglich, beschaulich und ruhig. Man spürt im eine gewisse Aufbruchstimmung, die sich erfreulicherweise in Richtung sanfter Tourismus entwickelt. Pensionen und Gästehäuser sind die bestimmenden Unterkunftsarten, größere Hotels sind die Ausnahme. Abgesehen von den Kreuzfahrern verschont der Massentourismus die Insel Sao Vicente.

Der internationale Flughafen Cesaria Evora ist neben dem Hafen heute ein zweites Tor zur Insel Sao Vicente. Derzeit gibt es leider keine Direktflüge von Deutschland, die Anreise ist via Lissabon oder Sal möglich.

Die vulkanisch geprägte Landschaft von Sao Vicente ist größtenteils karg, einige Täler sind aber auch überraschend grün. Hier und an den Gebirgshängen wird mühsam Ackerbau betrieben. Hin und wieder treffen Sie auch auf Ziegenherden, Kühe oder einzelne Schweine.

Auf Wanderungen oder einer Inselrundfahrt entdecken Sie die Vulkanlandschaften von Sao Vicente. Die Strukturen sind teilweise sehr gut erhalten, obwohl die vulkanische Aktivität bereits vor langer Zeit geendet hat. Deutlich sind an der Westküste die Lavaströme erkennbar, die durch die Täler zum Meer geflossen sind und der Vulcao Viana südlich von Calhau ist heute noch nahezu perfekt erhalten. An manchen Stellen bieten steile Gebirgswände einen beeindruckenden und teilweise künstlerisch anmutenden Einblick in die unterschiedlichen vulkanischen Ablagerungen.

Eine Inselrundfahrt führt Sie z.B. von Mindelo in den Parque Natural auf den Gipfel des Monte Verde, von dort genießen Sie den herrlichen Ausblick. Weiter geht es nach Salamansa, wo Sie der herrliche Sandstrand mit seinen Dünen auch zu längeren Strandtagen einlädt. Auf dem weiteren Weg passieren Sie die wie eine Geisterstadt anmutende Wochenendsiedlung Baia das Gates und gelangen über eine erstaunlich moderne Asphaltstraße mit Aussichtspunkten nach Calhau. Hier können Sie z.B. in dem kleinen Restaurant Hamburg lecker zu Mittag essen.

In Richtung Mindelo führt die Rundfahrt durch ein langes Tal mit zahlreichen Anbauflächen. Die Wasserpumpen stehen teilweise still, da die Brunnen versiegt sind. Zurück in Mindelo machen Sie noch einen Abstecher nach Sao Pedro. Die kleine Siedlung liegt an einem langen Sandstrand, an dem Sie zeitweise auch baden können. Interessant ist hier eine Wanderung zum Leuchtturm Dona Amelia, für die Sie ca. 1,5 Stunden einplanen sollten. Wenn Sie hier den Sonnenuntergang genießen möchten, sollten Sie rechtzeitig den Rückweg antreten, da der schmale Pfad im Dunkeln gefährlich ist.

Santo Antao – Wanderinsel und Insel der Extreme

Santo Antao beeindruckt von Sao Vicente und Mindelo aus gesehen durch seine Größe und seine Berge, die Höhen von fast 2000 m erreichen. Die zweitgrößte Insel der Kapverden nimmt eine Fläche von 780 km² ein und misst etwa 43 x 24 km. Wenn Sie sich mit der Fähre dem Hafen von Porto Novo nähern, erblicken Sie die karge Südostseite der Insel, die einer Mondlandschaft gleicht. Nichts deutet darauf hin, dass hier die abwechslungsreichste Insel der Kapverden mit dramatischen vulkanischen Landschaften auf Sie wartet!

Santo Antao lässt sich grob in 4 Abschnitte mit zum Teil extremen Lebensbedingungen unterteilen. Von Südosten kommend steigt die trockene und karge Seite der Insel sanft an und geht in Höhen von über 1000 m in ein vulkanisches Hochland mit Bergwäldern über. Nach Nordwesten schließen sich tiefe Erosionstäler mit steilen Schluchten und Steilhängen an und bieten atemberaubende Ausblicke. An der Nordwestküste schließlich fallen die Ausläufer der Berge als Steilküste schroff in den Atlantik.

So beeindruckend wie die Insel sind auch die Menschen, die hier leben. Im Südosten trotzen sie der Trockenheit, in den Bergen und steilen Tälern wird in mühseligster Kleinarbeit Ackerbau und Viehzucht betrieben. Der seltene, dann aber meist extreme Niederschlag und die Feuchtigkeit aus Tau sind hier lebenswichtig. An der Steilküste schließlich beschränkt sich das Leben auf einen schmalen Streifen zwischen den vulkanischen Steilhängen und der Brandung des Atlantiks, die beständig an Santo Antao nagt, sowie die Mündungen der Erosionstäler.

Jeder Bereich der Insel ist für sich hart und unnachgiebig. Wer auf dieser Insel lebt, darf nicht schwach und weinerlich sein, die extremen Bedingungen verlangen viel Körper- und Willenskraft. Unser Respekt gilt den 47.000 Einwohnern, die sich täglich diesen Herausforderungen stellen. Sie werden hier sehr robuste Menschen treffen, die trotz ihres entbehrungsreichen Lebens (oder vielleicht auch gerade deswegen) ein überraschend hohes Maß an Zufriedenheit ausstrahlen.

Von Mindelo aus gibt es zwei Fährverbindungen nach Porto Novo. Die Schnellfähre benötigt mit 30 Minuten nur die Hälfte der gemütlichen Fähre und ist ca. 20% teurer. Bei Ankunft der Fähre warten am Ausgang des modernen Fährterminals die Fahrer der Sammeltaxis (Aluguer) auf Kundschaft und verkünden lauthals ihr jeweiliges Fahrziel. Lassen Sie sich nicht abschrecken, hier wird nur sortiert!

Taxis und Aluguers haben in der Regel Festpreise, die gleichermaßen für Einheimische und Tousristen gelten. Die Aluguers fahren nur entlang der Küstenstraße. Wenn Sie die Passstraßen erleben oder den Ausgangspunkt einer Wanderung erreichen möchten, müssen Sie auf ein Taxi zurückgreifen.

Die Fahrt mit dem Aluguer kostet meist 1/10 der Fahrt mit dem Taxi, dafür müssen Sie eventuell umsteigen und können die Fahrstrecke nicht bestimmen. Die Fahrer der Aluguers versuchen gerne, am Umsteigeort die Weiterfahrt als Taxifahrt anzubieten. Es heißt dann meist, dass eine Weiterfahrt per Sammeltaxi nicht möglich ist. Dies gilt aber nur für die Weiterfahrt in die Täler oder Berge, entlang der Küstenstraße wird Sie immer der Fahrer des nächsten Aluguers ansprechen. Feste Zeitpläne gibt es übrigens nicht, das Sammeltaxi fährt los, sobald genügend Mitfahrer da sind. Einige der Preise für Taxis und Aluguers finden Sie hier.

Santo Antao ist eine Insel für Wanderer und Fotographen und für jeden, der sich für Natur und Kultur an einem der Ränder der Welt interessiert. Santo Antao ist keine Badeinsel. Der Atlantik bietet nur an wenigen Stellen und auch nicht zu allen Zeiten die Möglichkeit zum Schwimmen. Ein Bad zu falscher Zeit an falscher Stelle kann unangenehme und schmerzhafte Folgen haben. Beachten Sie die jeweils herrschenden Bedingungen und fragen Sie die Einheimischen, ob das Meer sicher ist.

Die Insel Santo Antao lernen Sie am besten entlang von zahllosen Wanderungen mit unterschiedlichem und zum Teil hohem Anspruch kennen. So entdecken Sie die Berge, Täler, Küsten und deren Bewohner. Für viele Trails ist es ratsam, einen Bergführer zu engagieren. Wir können Ihnen z.B. Silverio Delgado empfehlen, der bereits seit 20 Jahren Besucher über die Kapverdischen Inseln führt. Silverio kennt nicht nur die Vielfalt an Pflanzen und Kräutern, er kennt auch die Menschen und die Menschen kennen ihn.

An seiner Seite geht es auf schmalen Eselpfaden und über steile Serpentinen durch das vulkanische Hochland, in die Täler und Schluchten, vorbei an traditionellen Bruchsteinhäusern, deren Dächer aus Zuckerrohr und Palmstroh an die Reetdächer in Schleswig-Holstein erinnern. Die Wanderungen sind aber auch Reisen in ein vergangenes Jahrhundert. Die kleinen Dörfer und Gehöfte haben vielerorts bis heute keine Straßenanbindung, kein fließendes Wasser und Strom fließt hier erst seit etwa 10 Jahren. Der Esel ist das bevorzugte Transportmittel. Auf nahezu jeder möglichen Fläche und mit Bruchsteinmauern angelegten Terassen wird Obst, Gemüse, Kaffee und Zuckerrohr für die Grogue-Produktion angebaut. Dazwischen wachsen zahllose Kräuter. Vereinzelt treffen Sie hier auch auf Ziegen und Kühe, der lokale Ziegenkäse ist sehr schmackhaft.

Wir haben bisher diese Wanderungen und Ausflüge gemacht, die wir Ihnen empfehlen können:

Corda – Coculi (Tal Figueiral)
Cova-Krater
Tarrafal (auf Grund der schlechten Schotterpiste nur mit dem Pick-Up möglich, anstrengende Fahrt)

Weitere Wanderungen und Ausflüge finden Sie z.B. in dem Reiseführer Cabo Verde – Kapverdische Inseln von Pitt Reitmaier und Lucete Fortes, Reise Know-How Verlag.

Einheimische und Touristen begegnen sich auf Santo Antao insbesondere in den schwer zugänglichen Inselabschnitten noch mit vorsichtigem und höflichem Interesse, der Massentourismus ist hier ganz weit weg. Nicht selten sorgt der Besuch von Wanderern für Gesprächsstoff unter den freundlichen Bewohnern. Pensionen, Gästehäuser und Lodges in den Bergen, Tälern und an der Küste sind die bestimmenden Unterkunftsarten, ein größeres Hotel gibt es nur in Porto Novo.

Wir empfehlen, auf Santo Antao auf der grünen Nordwestseite der Insel zu wohnen. Von Porto Novo fahren Sie mit dem Aluguere z.B. nach Paul und von dort mit dem Taxi in das gleichnamige Tal zum Aldeia Manga. Das Tal Paul ist besonders grün und fruchtbar. Feuchte Meeresluft wird vom Passatwind in das Tal gedrängt, steigt auf, kondensiert u.a. an der Vegetation und speist das Tal so mit Wolkenwasser.

Wenn Sie lieber am Meer wohnen möchten, fahren Sie mit dem Aluguere weiter nach Cidade da Ribeira Grande, einem lebendigen Ort am Ausgang der Täler Ribeira Grande und Ribeira da Torre. Hier wechseln Sie das Aluguere und gelangen nach kurzer Fahrt nach Ponta do Sol, den nördlichsten Punkt der Kapverden. Die imposante Steilküste, die sich an der Ort anschließt, verstärkt das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Wohnen können Sie hier z.B. in der Kasa Tambla oder Kasa Amarel. Beide Unterkünfte bieten Ihnen eine Dachterasse mit herrlichem Rundblick von der Bergen über die Steilküste auf den Atlantik.

Sao Vicente Bilder

Reisebericht Sao Vicente

Santo Antao Figueiral Bilder

Reisebericht Santo Antao